Haushaltsnahe Dienstleistungen – Chancen und Umsetzungsbedingungen aus Sicht des Sozialdienstes katholischer Frauen Gesamtverein e. V. (SkF) : Expertise im Auftrag des Kompetenzzentrums „Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen“ (PQHD) an der Hochschule Fulda
Date of Issue
2025-08-07
Date of Release
2025-08-07
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Arbeitspapier

Abstract
Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) ist ein Frauenwohlfahrtsverband, der seit über 120 Jahren bundesweit in eigenständigen SkF-Ortsvereinen Soziale Arbeit, besonders aus dem Blickwinkel eines Frauenverbandes, leistet. Die Ursprünge des SkF liegen in der Begleitung und Beratung von gefährdeten Frauen und Mädchen, von wohnsitzlosen und straffällig gewordenen Menschen sowie Prostituierten, in der Begleitung von Schwangeren und Müttern sowie der Übernahme von Vormundschaften und der Vermittlung von Adoptionen. Seither hat sich der SkF in allen Feldern der Sozialen Arbeit entwickelt und gesetzliche wie fachliche Grundlagen aktiv mitgeprägt. Besondere Schwerpunkte sind heute Betreuungsvereine nach dem Betreuungsgesetz, Schwangerschaftsberatung, ambulante und stationäre Jugendhilfe, Gewaltschutz, allgemeine Sozialberatung und Wohnungslosenhilfe. Darüber hinaus hat sich an vielen Standorten auch der Bereich der Beschäftigungsförderung entwickelt. Geförderte und/ oder begleitete Beschäftigungen bieten SkF-Ortsvereine vornehmlich in Sozialkaufhäusern, im Garten- und Landschaftsbau, in Schneidereien sowie im Bereich der Alltagshilfe und Reinigung an. Hinzu kommt der Einsatz in Bereichen der Verwaltung. Daher sind SkF-Ortsvereine mit den Situationen und Herausforderungen der Menschen mit Beschäftigungshemmnissen vertraut. Sie ermöglichen innerhalb von niedrigschwelligen Beschäftigungsfeldern Perspektiven und Aufstiege. Je nach individueller Situation, begleiten sie Menschen in nicht geförderte Beschäftigungsverhältnisse und bis auf den ersten Arbeitsmarkt. Auf Basis dieser Kompetenzen und Erfahrungen betrachtet der SkF mit der vorliegenden Expertise die Chancen und Herausforderungen für gemeinnützige Unternehmen im Rahmen des geplanten Ausbaus der Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen, z. B. durch ein Gutscheinsystem. Im Folgenden werden die Zielgruppen (Kund:innen und Mitarbeiterinnen), die Trägerorganisationen und die grundlegenden Voraussetzungen für das Gelingen dieser Angebote aus Sicht eines Wohlfahrtsverbandes beschrieben. Ein ergänzender Exkurs beschreibt die Relevanz der geförderten Beschäftigung für den Ausbau der Angebote haushaltsnaher Dienstleistungen. Der SkF blickt aufgrund seiner Grundsätze und seiner Erfahrung mit einer spezifischen Haltung auf den Bereich und den Ausbau haushaltsnaher Dienstleistungen. Diese Haltung ist zum einen grundgelegt in der Würde jedes Menschen. Der SkF will dazu beitragen, dass Menschen ihrer Würde auch im Rahmen einer guten Beschäftigung Ausdruck verleihen können. Daher blickt die vorliegende Expertise besonders auf die Potenziale und Herausforderungen seitens der Mitarbeiter:innen. Zudem versteht sich der SkF als Frauenverband, der sich dafür einsetzt, Frauen beim Aufbau und der Sicherung einer eigenständigen wirtschaftlichen Existenz zu unterstützen. Insbesondere bei Frauen mit Kindern wird dieses Ziel häufig verfehlt. Auch in der Pflege und Unterstützung naher Angehöriger sind Frauen weiterhin besonders engagiert. In beiden Fällen führt dies oft dazu, dass sie nicht oder nur reduziert erwerbstätig sind. Kindertagesbetreuung und auch Pflegedienste bilden eine gute Ergänzung für die Sorge- und Pflegeaufgaben. Allerdings benötigen viele darüber hinaus eine Unterstützung im Haushalt, im Garten und bei Alltagsaufgaben wie dem Einkaufen oder der Begleitung bei Terminen. Angebote haushaltsnaher Dienstleistungen haben das Potenzial, Frauen mit Erwerbshemmnissen einen Einstieg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu ermöglichen. Zudem will der SkF dazu beitragen, dass der Ausbau der öffentlichen Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen Frauen bei der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit unterstützt. Die Expertise basiert auf Gesprächen, Interviews und Besichtigungen in unterschiedlichen Angeboten und Projekten von SkF-Ortsvereinen. Befragt wurden SkF-Ortsvereine, die bereits haushaltsnahe Dienstleistungen anbieten oder planen. Sie werden in verschiedenen rechtlichen Formen umgesetzt: als eingetragener Verein, als gGmbH oder als Genossenschaft. Unterschiedlich ist auch, ob die Organisation ein durch die Pflegekassen zertifizierter Anbieter ist oder nicht. Die Einbindung der gesetzlich geregelten Beschäftigungsförderung ist ebenfalls nicht einheitlich. Fast alle Befragten nutzen zumindest für einen Teil der Beschäftigten verschiedene Förderbereiche des SGB II. Die gezahlten Löhne, die Kosten für die Dienstleistungsstunden, die Art und Weise der Qualifizierung und die Begleitung unterscheiden sich ebenfalls. Vergleichbar sind die Zugänge zu Kund:innen und Beschäftigten, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Intensität der Begleitung von Beschäftigten und Kund:innen. Ergebnis der Gespräche ist, dass es gute Rahmenbedingungen braucht, um als Wohlfahrtsverband das Angebot haushaltsnaher Dienstleistungen zu erweitern und darüber Menschen mit Hemmnissen auf dem Arbeitsmarkt in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
DDC Classification
300 Sozialwissenschaften
Identifier
Department
Zentrum für Ernährung, Lebensmittel und nachhaltige Versorgungssysteme (ELVe)
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